„Am Ende mache ich es doch wieder selbst, das geht schneller.“
Den Satz höre ich gerade oft von Kolleginnen, wenn es um KI-Agents geht. Ein paar Versuche, ein paar seltsame Ergebnisse, dann zurück zur Handarbeit.
Von Führungskräften höre ich das auch immer mal wieder. Und je länger ich mit Agents arbeite, desto ähnlicher werden die Fragen. Was wurde gesagt, was war nur gemeint. Warum ist das Ergebnis fleißig und trotzdem falsch. Und wer hätte eigentlich was vorher klären müssen.
Ohne gemeinsame Geschichte
Ein Agent startet jede Session ohne Vorgeschichte. Er weiß nicht, was beim letzten Mal schiefging, welche Entscheidung vor drei Wochen gefallen ist, was dir wichtig ist. Lücken im Auftrag füllt er mit Annahmen und arbeitet dann sehr fleißig in die falsche Richtung.
Mir passiert das auch. Zuletzt, als ich an den Inhalten meiner Seite gearbeitet habe, kam ein komplett neues Design zurück. Sauber gebaut, in sich stimmig, nichts davon bestellt. In meinem Auftrag stand, was sich inhaltlich ändern sollte. Dass die Gestaltung bleibt, wie sie ist, stand nirgends.
Ehrlich gesagt hätte ich es vorher auch nicht aufgeschrieben. Wie wichtig mir die Gestaltung war, wusste ich in dem Moment, als sie weg war. Manche Grenzen werden erst sichtbar, wenn jemand sie überschreitet. Die Abweichung war dann kein Versagen, weder seins noch meins. Sie war die Information, die gefehlt hat.
Plötzlich führen alle
Wer eine KI benutzt, delegiert. Ob er will oder nicht. Es lohnt sich also, das ordentlich zu lernen, bevor man sich über den Agenten ärgert.
Stephen Bungay hat dafür ein Modell, geschrieben für Führungskräfte, lange bevor es Agents gab. In „The Art of Action“ beschreibt er drei Lücken zwischen Plan und Ergebnis:
- Wissenslücke: Wir wissen nie alles, was wir bräuchten.
- Ausrichtungslücke: Andere tun nicht genau das, was wir wollten.
- Wirkungslücke: Das Ergebnis ist anders als erwartet.
Mehr Details oder mehr Kontrolle helfen dabei wenig.
Mein neues Design war die Ausrichtungslücke in Reinform. Der Agent wusste, dass sich etwas ändern sollte. Dass es nur um Inhalte ging, wusste er nicht. Also hat er die Grenze selbst gezogen, ein ganzes Stück weiter draußen.
Bungay setzt dagegen den Backbrief: Bevor es losgeht, wird zurückerzählt, was verstanden wurde. Hätte ich den Agenten vorher erzählen lassen, was er vorhat, hätte ich das neue Design gesehen, bevor es gebaut war.
Was die Session überlebt
Am Ende einer längeren Session frage ich den Agenten, wo er sich verheddert hat und was ich ihm vorher hätte sagen müssen. Die Antworten lese ich als Hypothese. Was sich bestätigt, kommt in einen Skill und ist beim nächsten Mal von Anfang an dabei.
Es ist eine eigenartige Erfahrung, sich vom eigenen Werkzeug erklären zu lassen, was im Auftrag gefehlt hat. Freundlich. In Stichpunkten.
Chris Argyris unterscheidet zwei Lernkreisläufe. Im einfachen korrigierst du den Fehler, im doppelten die Annahme dahinter. Die neue Regel im Skill gehört in den einfachen. Das ist schon Arbeit am System. Der doppelte beginnt bei mir: bei der Annahme, dass klar ist, was ich meine, auch wenn ich es nicht sage. Den Agenten kann ich danach fragen. Ändern muss ich sie selbst.
Für den nächsten Auftrag
Die Werkzeuge stammen aus der Führung. Sie funktionieren im Prompt und in der Übergabe im Team.
- Sag, wofür. Was sich ändern soll, reicht nicht. Erst das Wozu gibt die Richtung.
- Sag, was bleibt. Die Grenze ist oft wichtiger als das Ziel. „Gestaltung und Struktur bleiben unverändert“ hätte mir ein neues Design erspart.
- Lass es dir zurückerzählen. Bevor es losgeht, beschreibt die Person oder der Agent, was verstanden wurde und wie das Vorgehen aussieht. Im Prompt ist das ein Satz, im Team ein kurzes Gespräch.
- Lass Spielraum im Rahmen. Der Weg darf sich ändern, solange er der Absicht dient. Du willst nur erfahren, was sich geändert hat und warum.
- Frag am Ende nach. Was lief gut, wo hat es gehakt, was hätte vorher geklärt sein müssen? Die Antwort ist eine Hypothese, kein Urteil.
- Halte fest, was sich bestätigt. In einem Skill oder in einer Absprache, die nicht nur in deinem Kopf liegt.
Was ich eigentlich an meiner Seite ändern wollte?
Es gibt jetzt Preise für Selbstzahler:innen. Du findest sie beim Business-Coaching und beim Karriere-Coaching. Das Design ist übrigens, na sagen wir, weitgehend das alte geblieben.



